Wer findet die Einser - Fragen zum Artikel
  • Sehr geehrter Herr Groß,

    Ich habe mir die "fine art printer" gekauft wegen Ihres Artikels zur
    Monitorkalibrierung.
    Leider komme ich trotz des Artikels nicht wirklich klar..

    Ich habe hier einen Gericom TFT Monitor mit einem Kontrastverhältnis von
    350:1 und einer Helligkeit von 250 cd/m². Ich arbeite mit Windows 2000.

    Als Kalibrierer habe ich ein Pantone Colorvision Spyder mit Optical 3.1,
    derzeit ausgeliehen.

    Ich beschäftige mich mit Farbmanagement, weil die Fotos die ich vom
    Ausbelichter nicht so rauskommen wie ich sie am Monitor sehe. Sie sind dunkler und die
    Blautöne gehen eher ins Violett. Ich habe ein Print-Profil und
    ein ausbelichtetes Testbild bekommen, das ich in Photoshop zum "proofen"
    verwende. In Photoshop arbeite ich mit sRGB als Arbeitsfarbraum (der auch in
    Ihren Testfiles eingebettet ist). Ich fotografiere mit Canon 20d in RAW und
    entwickle mit Adobe Camera Raw.

    Ich habe auf verschiedene Weise kalibiert, und versucht anhand Ihrer beiden
    testbilder "einser.jpg" und "FarbBalance.jpg" das Ergebnis zu verifzieren.
    In allen Fällen ist das Ergebnis noch nicht befriedigend.

    Erster Versuch: Monitor auf Werkseinstellung, Kalibrierung mit den
    Zielwerten GAmma 2.2 und Farbtemperatur 6500K. Den schwarzen einser kann ich
    im Webbrowser Firefox eher erahnen als sehen. In Photoshop sind beide einsen
    deutlich erkennbar. FarbBalance.jpg zeigt leichte diagnoale streifen von
    rechts unten nach links oben, insbesondere in der nähe von 136. Ohne
    Kalibrierung (die kann ich in OptiCal deaktivieren) liegt der Streifen in
    der nähe von 112. Mit Kalibrierung ist der subjektive Eindruck, dass die
    dunklen Teile etwas ein kaltes Schwarz (d.h. in richtung violett) gehend
    aufweisen.
    Der Unterschied zwischen aktiver und nicht aktiver Kalibrierung ist
    insgesamt eher marginal, subjektiv eher zugunsten der nicht aktiven
    Kalibrierung.

    Zweiter Versuch: mit der ebenfalls beiliegenden Software PreCal (obwohl die
    Anleitung sagt, für TFT nicht empfohlen) habe ich zunächst die Leuchtdichte
    auf 120 cd/m² eingestellt, dann die Rot Grün Blau am Monitor so justiert,
    dass die gemessenen Säulen gleich hoch waren. Danach habe ich kaliberert.
    die schwarze eins aus "einser.jpg" ist sowohl im Webbrowser als auch im
    Photoshop deutlich erkennbar. Farbbalance.jpg zeigt deutliche Streifen von
    rechts unten nach links oben. Es sieht fast aus, wie ein Ölfilm.
    Mit dieser Monitoreinstellung habe ich auch mal auf Gamma 2.2 und 5000K
    kalibriert. Das war insgesamt am schlechtesten, sowhl vom subjektiven
    Eindruck beim Arbeiten wie auch bei Farbbalnce.jpg.

    Nun meine Fragen:

    1. kann es sein, dass mein Monitor nicht wirklich kalibrierbar ist? Müsste
    ich mir einen anderen Monitor kaufen? Aus Platzgründen sollte es ein TFT
    sein. Wäre z.B. ein Eizo S1910K
    (http://www.prad.de/new/monitore/test_eizo_s1910-k.html) geeigneter. Die in
    der Zeitschrift avisierten 2000 Euro für einen Monitor möchte ich (als
    nicht hauptberuflicher Fotograf) nicht ausgeben.

    2. Würde ich mit der im gleichen Heft empfohlenen Kombination
    basicColor/Eye-one Display 2) bessere Ergebnisse erreichen? Im "fine art
    printer" Seite 32 steht, dass der Spyder deutliche Schwächen hat. Die
    Kalibriereinrichtung habe ich derzeit ausgeliehen und bin daher noch
    flexibel.

    3. Muss ich das ermittelte Profil im Photoshop mit dem Bild zuweisen.
    Eigentlich kann das ja nicht sein, weil dann die Bilddateien Monitorabhängig
    würden und die Kalibrierung ja gerade diese Abhängigkeit vermeiden soll.

    Ich danke Ihnen für Ihre Geduld zum Lesen dieses langen Beitrags und bin auf
    Ihre Hinweise gespannt.

    Mit herzlichem Dank im Voraus


    Bernhard W.
  • Re: Wer findet die Einser - Fragen zum Artikel

    Hallo Herr W.,

    herzlichen Dank, dass Sie sich so intensiv mit meinem Artikel auseinandergesetzt haben. Ich will gerne versuchen, Ihre Fragen zu beantworten; lassen Sie mich zuvor aber kurz auf das Problem der unterschiedlichen Helligkeitsdarstellung in Photoshop und Ihrem Inetrnet-Browser eingehen.

    Mir ist außer Safari für Mac OSX kein aktuell gebräuchlicher Internet-Browser bekannt, der bei der Darstellung von Bildern ein eventuell eingebettetes ICC-Profil berücksichtigt. Die Bilddarstellung wird daher lediglich durch die CLUT korrigiert; die Helligkeit der Darstellung hängt dann nur vom Gamma des Monitors ab, nicht aber von der des eingebetteten Profils. Farblich findet überhaupt keine Anpassung statt; ein nettes Beispiel finden Sie auf http://wwww.DeltaE-IC.de

    Die schwarze "Eins" in meinem Testbild weist einen RGB-Wert von 4 auf; bei einem Gamma von 2,2 entspricht dies einem L*-Wert von 0,3, bei einem Gamma von 1,8 sollte sich ein L*-Wert von 0,51 ergeben. Bei einer gleichabständigen Relation RGB/L* (LStar-Kalibrierung) ergibt RGB 4 einen Luminanzwert von 1,5.

    Dies erklärt, warum in einer nicht FM-fähigen Umgebung die schwarze "Eins" bei einem Gamma von 2,2 am schlechtesten, bei 1,8 deutlich besser und bei LStar am besten zu erkennen ist.

    Nun aber zu Ihren Kalibrationsversuchen.

    1.) Monitor-Werkseinstellung, 6.500 K, Gamma 2,2
    Für Anwender, die bereits auf ihrem Monitor das spätere Print-Ergebnis beurteilen wollen, halte ich diese Einstellung für ungeeignet; die Gründe habe ich ausführlich in meinem Artikel beschrieben. Hier nur kurz zusammengefasst:

    - Abhängig von den Betrachtungsbedingungen, unter denen Sie Ihre Druckergebnisse beurteilen, liegt die "richtige" Luminanz für Ihren Monitor zwischen 90 und 130 cd/m². 250 cd/m² dafür definitiv zu viel (aber prima für's Internet).

    - Der Monitorweisspunkt sollte der Farbtemperatur Ihres Raumlichtes angepasst sein. Vermutlich werden Sie Ihre Prints eher bei 5000 K als bei 6500 K abmustern.

    2.) Anpassung der Monitorhelligkeit mit precal
    Grundsätzlich ist es die richtige Verfahrensweise, den Monitor mit "Bordmitteln" an die Kalibrations-Zielwerte anzupassen; die Gefahr von Abrissen und Inhomogenitäten wird deutlich gemindert.

    Wenn Sie nun trotzdem ein derart schlechtes Kalibrationsergebnis feststellen, kommen prinzipiell noch folgende Ursachen in Frage:

    . Es wurde Fremdlicht "mitgemessen"
    - Wenn sich das machen lässt, kalibrieren Sie den Monitor mal in einem völlig abgedunkelten Raum

    . Das Zielgamma passt nicht zum Monitor
    - Da hilft nur Testen. Generieren Sie diverse Profile in 0,1er Schritten und testen Sie, ob sich das Ergebnis verbessert. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher - lässt die Optical-Software andere Einstellungen als 1,8 und 2,2 zu?

    . Ihr Messgerät hat ein Problem
    - Einen technischen Defekt kann ich von hier aus natürlich nicht ausschließen.

    . Ihr Monitor hat ein Problem
    - Auch das ist ferndiagnostisch nicht zu beurteilen; in meiner Praxis sind mir bislang aber nur sehr wenige kalibrationsresistente Geräte begegnet...

    Zu Ihren drei Fragen:

    1.) Monitor unkalibrierbar?
    Siehe oben; ich würde im ersten Schritt einmal ein zweites Messgerät "zu Rate ziehen". Für eine Kaufberatung wäre das hier auch nicht der rechte Ort.

    2.) Das beste Meßgerät?
    Zu dieser Frage nehmen Sie am Besten Kontakt mit Herrn Störing auf; er ist der Autor des Hardwaretests und wird seine Ergebnisse sicher gerne näher erläutern.

    3.) Monitorprofil zuweisen?
    Wie Sie ja schon selbst vermuten: NEIN!
    Das Monitorprofil hilft PS und dem Betriebssystem, die Farben möglichst so darzustellen, wie sie in der Bilddatei angelegt wurden. Wenn Sie das Originalprofil verwerfen und statt dessen das Monitorprofil zuweisen, sehen Sie Ihr Bild so wie in einem nicht CM-fähigen Browser.

    Sorry, ist jetzt etwas lang geworden.
    Sie hatten aber auch ne Menge Fragen...

    freundliche Grüße
    aus dem Mönchengladbacher Farbraum

    Heinz-Jürgen Groß
  • Re: Wer findet die Einser - Fragen zum Artikel

    Hallo herr Groß

    > Nicht böse sein: lesen Sie doch bitte noch einmal meinen Artikel;
    > speziell um Abschnitt "1.Kalibrierung" werden diese Fragen relativ
    > ausführlich behandelt.
    >

    sorry, das habe ich überlesen. Es gibt also eine CLUT im Monitor und einer in der Grafikkarte.


    > > Oder müsste das Print Profil, das ich in PS zum Proof benutze,
    > > die Helligkeit wieder angemessen reduzieren?
    >
    > Nein; Bildschirmprofile sind per definitionem so skaliert, dass L* 0 der
    > minimalen, L* 100 der maximalen Luminanz zugeordnet sind.

    Das Bildschirmprofil schon, aber der Proof wird ja mit einem Druckerprofil gemacht.

    > > L = RGB x Pab(inv) x Pdr x Pmon(inv) x Pmon d.h. die

    > Die Diskussion Ihres Formelwerkes würde hier jetzt wirklich den Rahmen
    > sprengen; erlauben Sie mir nur folgenden Hinweis: ICC-Profile sind
    > weniger als Multiplikationstabellen zu sehen, sondern eher als
    > "Nachschlagewerke".

    es ging mir dabei nicht um Mulitiplikation, sondern um den Versuch darzustellen, wie die verschiedenen Profile in der ganzen Kette einwirken. Der Operator "x" sollte die Anwendung des Profils ausdrücken.

    Irgendwie schade, dass in den meisten Veröffentlichungen über Farbmanagement keine Darstellung der Komponenten und Profile samt ihrem Eingriffpunkten drin ist, sozusagen ein Blockdiagramm. Dann würde ein Regelungstechnker wie ich das leichter verstehen. Daher kommt mein Versuch, das in Formeln auszudrücken.

    > Ich habe mir neulich das Buch "Farbmanagement für Fotografen"
    > angeschafft. Der Autor heisst Tim Grey, ISBN ist 3-89864-329-8.

    Vielen Dank für den Hinweis. Das werde ich mir mal anschauen.

    > Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen!

    herzlichen Dank, wieder ein Stück weiter.

    Bernhard W.

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